Über die Schulter g’schaut!

Verarbeitung von Obst und Früchten zu qualitätsvollen Getränken und Spirituosen

Besuch im Weingarten:

Urlaub am Bauernhof Moserhof

Seit zehn Jahren gibt es nun den Weingarten am Radlerbauernhof Moser. Unmittelbar neben dem Haus wurde der einstige Gemüseacker zum Weingarten umfunktioniert, wo nun schöne Weinstöcke gedeihen.

Urlaub am Bauernhof Moserhof

Apropos Weinernte … Andreas erzählt mir, dass er heuer übermäßig viele Trauben geerntet hat. Das Wetter war optimal – bis auf einen Ausreißer im Frühling. Ein kurzer Spätfrost verlangte viel Einsatz und Tatkraft, um den Ertrag zu sichern.

Hätte Andreas nicht alle Hebel in Bewegung gesetzt und alle Weinstöcke mit Vlies eingepackt, würde es jetzt in den Weinflaschen anders aussehen. Eine Schicht Vlies bedeutet in etwa +2 Grad am Weinstock und schützt vor der eisigen Kälte. Der ganze Aufwand hat sich wahrlich gelohnt. Familie Moser kann sich über 2.000 Liter Traubensaft und 1.000 Liter Weißwein freuen.

Der Weinstock im Innenhof kann auch seine eigene Geschichte erzählen, hat er doch schon über 100 Jahre am Buckel. Die hängenden Traubenbündel sind eine wunderbare, natürliche Dekoration und schaffen ein gemütliches Ambiente.

Urlaub am Bauernhof Moserhof

Das Herz von Andreas schlägt neben dem Most und dem Edelbrand auch für den Wein. Insgesamt hat er 0,5 Hektar pilzresistente Sorten wie zum Beispiel die Isabellatraube oder den Uhudler angebaut. Dieser Wein zeichnet sich durch die Halbtrockenheit sowie Fruchtigkeit aus und hat einen leichten Muskat-Einschlag, den die Gäste lieben. Dieser sogenannte Hofwein wird als zusätzliches Getränk im Mostheurigen angeboten. Eine extra Vermarktungsschiene für den Wein benötigt Familie Moser nicht, er verkauft sich nebenbei.

Sein Wissen und die Praxis im Weinbau hat Andreas in Klosterneuburg bei einigen Kursen und bei einem Weinbauern in Niederösterreich erworben. Der Vorgang der Weinherstellung unterscheidet sich nicht zur Mostproduktion – nur die Grundzutat, die Traube, ist eine andere.

 

 

Doch wie entsteht eigentlich der spritzige Most? Bei meinem Hofbesuch durfte ich einem Profi über die Schulter schauen.

Mosterzeugung vom Profi erklärt:

Der ausgebildete Mostsommelier Andreas nimmt mich mit in die heiligen Hallen der Mostproduktion.

Welch ein Glück, dass Familie Moser genügend eigenes Obst vom Hof hat und wenig bis gar nichts zukaufen muss. Falls ein Produkt ausgeht, auch kein Problem, denn es müssen keine Verträge mit Handelsketten oder Gastronomiebetrieben eingehalten werden. 6.000 bis 9.000 Liter Most werden im Jahr hergestellt und 3.000 bis 5.000 Liter Saft produziert. Heuer ist das Obst schon früher von den Bäumen gefallen und Andreas ist bei meinem Besuch bereits fertig mit all der Arbeit. Gerne erklärt er mir die Vorgänge zur Mostproduktion und wirft mit mir einen Blick in den Press- und Gärraum.

 

 

Schritt 1: Fallobst klauben

Mit Hilfe einer Klaubemaschine wird das Obst gesammelt, ohne es zu beschädigen. 1.000 kg Obst in einer Stunde sind damit leicht zu schaffen. Geklaubt wird wirklich nur das Fallobst. Das Obst wird weder heruntergeschüttelt, noch von den Bäumen gepflückt. Erst wenn es von selbst abfällt macht sich Familie Moser an die Arbeit. Die Natur gibt hier den Ton an! Die Verwendung gesunder, reifer Früchte ist eine wichtige Voraussetzung, um einen erfrischenden, vollaromatischen Gärmost zu erhalten.

Schritt 2: Reinigung und Sortierung

Die Reinigung der Rohware nimmt ebenso einen zentralen Stellenwert ein. Hygiene ist das oberste Gebot für ein gutes Produkt! Hier wird ein Großteil der Mikroorganismen entfernt, um Fehlgärungen bzw. fehlerhafte Moste zu vermeiden. Aus diesem Grund kommt das Obst vorab in einen großen Behälter, in dem die Früchte von allen Seiten mit Wasser bespritzt werden und immer in Bewegung sind. Die Funktion ähnelt einem sprudelnden Whirlpool. Bevor der Reinigungsvorgang abgeschlossen ist wird das Obst erneut von den Helfern begutachtet und – wenn nötig – schlechtes Obst entfernt.

Schritt 3: Zerkleinern und Mahlen zur Maische

Mit Hilfe eines Förderbandes gelangt das Obst in die Zerkleinerungstrommel, wo es zermahlen wird. Fertig ist die sogenannte Maische.

Schritt 4: Presssystem

Urlaub am Bauernhof Moserhof

Danach kommt die Maische in die Zentrifuge, in der sich der Bar-Druck ständig erhöht. Der gewonnene Saft gelangt über eine Pumpe in die Edelstahltanks.

Schritt 5: Presssaft Schwefeln und Klären

Der Schwefel schützt den Most vor Luft (Oxidation) und verhindert damit das Entstehen von unerwünschten Mikroorganismen. Der vorhandene Presssaft enthält oftmals noch Stoffe wie Kernteilchen oder Schalen. Mittels Absetzen muss dieser „Trub“ von der Gärung abgetrennt werden. Das Ergebnis ist ein sauberes, reintöniges Produkt.

Schritt 5: Beigabe Reinzuchthefe und Gärung

Durch die Beigabe von Hefe kommt es in wenigen Tagen zur Gärung. Dabei wird Zucker in Alkohol umgewandelt. Der Gärspund zeigt an, wie weit die Gärung vorangeschritten ist. Den Zucker- und Säuregehalt muss Andreas daher immer im Auge behalten. Während dieser Zeit hört man es im Gärraum ganz schön blubbern und der Schwefelduft ist deutlich wahrzunehmen.

Schritt 6: Gärabschluss nach 2 bis 3 Wochen – Umziehen in einen anderen Tank

Anschließend wird der Most von der Hefe abgezogen, damit der Hefetrub das Aroma nicht verändert. Bis der Most in den Flaschen ist können die vorhandenen 1.500-Liter-Tanks sicher zwei- bis dreimal belegt werden.

Schritt 7: Lagerung

Hier ist es wichtig, dass keine Luft zum Most dringt und die Tanks oder das Fass spundvoll sind. Kühle Temperaturen sind ebenso das A und O bei der Lagerung. Um die Reintönigkeit zu bewahren wird der Most auch grob filtriert.

Schritt 8: Verkostung

Natürlich muss der edle Most auch durch den Gaumen von Mostsommelier Andreas wandern. Bei der Verkostung lassen sich die unterschiedlichen Obstsorten deutlich erkennen. Die Geschmacksrichtungen der Moste reichen von mild, halbmild und kräftig bis resch. Natürlich gibt es auch sortenreine Moste mit exklusivem Charakter. Der Cuvée besteht aus Apfel/Apfel beziehungsweise Birne/Birne und der Mischlingsmost aus Apfel/Birne. Die Sortenvielfalt hat in den letzten Jahren stark zugenommen und der Most ist vom einfachen Durstlöscher in vergangener Zeit zum Qualitätsprodukt geworden.

Schritt 9: Abfüllung beim Partnerbetrieb Schober in Naarn

Die Abfüllung passiert außer Haus beim Partnerbetrieb Schober in Naarn und funktioniert mittels sterilisierten Geräten und Flaschen. Das Abfüllsystem ist in diesem Betrieb besonders ausgeklügelt und sucht weit und breit ihresgleichen.

Schritt 10: Verkauf und Genuss in der Mostschenke

Und dann kann mit dem spritzigen Getränk in der Mostschenke angestoßen werden.

„G’sundheit – sollst leb’n“,

so lautet der Trinkspruch der Most trinkenden Genießer!

 

Ins geistige Zentrum g’schaut:

Urlaub am Bauernhof Moserhof

Abschließend führt mich Andreas noch in sein „geistiges Zentrum“. Andreas hegt auch eine brennende Leidenschaft für Hochprozentiges.
Jede Menge Auswahl an Edelbränden und Destillaten gibt es im Verkaufsraum.

Urlaub am Bauernhof Moserhof

Und nebenan befindet sich die kleine Brennerei, wo Andreas gerne viele Stunden tüftelt, ausprobiert und den Genuss in die Flasche bringt.

 

 

Auf die Frage, welches Lieblingsprodukt der ambitionierte Gastgeber hat, erhalte ich folgende Antwort:

 

 

Auch die Mispel, ein Kernobstgewächs, hat es ihm angetan. Sie ist die letzte Frucht, die im Herbst reif wird. Daraus lässt sich ein hervorragender Brand mit aromatischem Eigengeschmack herstellen.

Urlaub am Bauernhof Moserhof

 

Auch der schönste Hofbesuch geht mal zu Ende …

Bereichert mit all den interessanten Infos endet mein Hofbesuch im geistigen Zentrum mit einem guten Tropfen Edelbrand. Am Radlerbauernhof Moser leben Menschen, die ihr Handwerk wahrlich verstehen. Die qualitätsvollen Produkte werden mit viel Sorgfalt und Liebe hergestellt und unterstreichen das Angebot am Hof.

Kurz auf den Punkt gebracht: Tolle Persönlichkeiten und ein Urlaubsplatz, der in geschmackvoller Erinnerung bleibt!

Bis zum nächsten Hofbesuch

Eure Simone

Urlaub am Bauernhof Moserhof

 

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