urlaub am bauernhof singerskogel

Sehen: die Wahrnehmung mit den Augen

Rotwild – erhabene Tiere, die schön zu beobachten sind. Erhaben und doch etwas scheu – so könnte man das Rotwild im Gehege von Andrea und Pepi beschreiben. Um die Tiere von der Nähe betrachten zu können, läutet Pepi die obligatorische Glocke – ein Signal und Erkennungszeichen für die Tiere, dass es Futter gibt.

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Auf über vier Hektar eingezäunter Fläche können sich die Wildtiere ausbreiten und ihren individuellen Rückzugsort finden. Da kann es schon etwas dauern, bis sich die Wildschar zum Futterplatz begibt. Für mich heißt es dann mal warten.

 

Aber was wäre ein Hofbesuch, ohne die Gastgeber mit Fragen zu löchern? Das Rotwild, deren Haltung sowie das Jägerlatein (eigene Jagdsprache) bieten eine Fülle an Gesprächsstoff und es erfordert so manchen Erklärungsbedarf. Wie die beiden Gastgeber 2013 zu den Tieren kamen ist schnell erklärt: Ein Gehege neben der regionalen Autobahnabfahrt ist ihnen ins Auge gestochen. Und wie das Leben oft so spielt, suchte der damalige Besitzer nach einem neuen Zuhause für seine Tiere.

Die Übersiedlung der Paarhufer war aber alles andere als einfach. Die Tiere sind Wildtiere, leben für gewöhnlich in der freien Wildbahn und sind den Transport alles andere als gewohnt. Der Singerskogel wurde aber sofort zu einem artgerechten Lebensraum für mittlerweile 28 Stück Rotwild.

Zwei prächtige Hirsche sorgen für die Nachzucht im Gehege und die Hirschkühe kümmern sich liebevoll um ihre Hirschkälber. Die kleinen Tiere sieht man kaum, da sie immer in Gewahrsam und Begleitung der Hirschmama sind. Das Rotwild ist ein typisches Rudeltier, erzählt mir Pepi. Die Jüngeren werden immer von den Älteren beschützt.

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Mitte September beginnt die klangvolle Paarungszeit. Die sogenannte Brunft dauert zirka 14 Tage und ist kaum zu überhören. Das männliche Geschlecht ist in diesem Zeitraum auf der Suche nach einem passenden Weibchen und buhlt lautstark um deren Gunst. Ich muss schon sagen: „Hirsch Friedl, der ältere der beiden Hirsche, ist schon ein mächtiges Kaliber.“ Er befindet sich im sechsten Kopf – was heißt, dass er in der Frühlingszeit schon fünfmal das Geweih abgeworfen hat und nun das sechste Prachtexemplar am Haupt heranwächst.

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Der zweite Hirsch wird seinem Namen „Knecht“ gerecht, da er erst im vierten Kopf ist und dem älteren Hirsch dienen muss. Die jungen Spießer (Hirsche vom vorigen Jahr) werden zumeist herausgenommen, da die jungen Hirsche vielfach zur Gefahr für die ältere Generation werden können. Ein ständiger Wechsel ist notwendig, um die Nachzucht im Einklang zu halten.

Zwischen all den Erklärungen von Pepi bemerke ich kaum, dass sich das Rotwild bereits ganz nahe am Futterplatz befindet. Die Tiere bekommen schmackhaftes Heu, eine stärkende Schrotmischung, wertvolle Mineralstoffe mit dem Leckstein und auch etwas Silage und Maische.

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Mit ihren großen „Lichtern“ (Augen in der Jägersprache) und langen Wimpern schaut mich Hirschkuh Traudi skeptisch an. Sie ist zwar kein zahmes Geschöpf und kein Streicheltier – das liegt auch nicht in der Natur bzw. im Instinkt der Tiere – sie fürchtet aber den Kontakt zu Menschen nicht und wagt sich ganz schön nahe an uns heran.

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Andrea und Pepi lieben ihre Tiere, die auch einen wesentlichen Beitrag zur Landschaftspflege leisten. Der eingezäunte Grund besteht teilweise aus feuchten Wiesenabschnitten, steilen Hängen und Waldeinkerbungen. Die normale landwirtschaftliche Bewirtschaftung mit Maschinen wäre hier eine sehr zeitintensive Angelegenheit. So werden die Mäharbeiten dem Wild überlassen und der Pflanzenreichtum ist hier beachtlich. Ampfer – oder wie man in der Region sagt „Scheißblotschn“ – sieht man hier kaum. Die Einzäunungsarbeiten von vier Hektar mit dünnem Eisenseil ist natürlich Schwerstarbeit. Ausreichend Bewegung der Tiere und ausgewogene frische Futtermittel tragen zu einer hochwertigen Fleischqualität bei.

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„Ernährungsphysiologisch gesehen ist das Wildfleisch ein wichtiger Nährstofflieferant und besitzt eine hohe Nährstoffdichte mit geringem Energiegehalt. Das Fleisch gilt als Hauptnährstoffquelle für Protein, Eisen und Zink. Mitunter zeichnet es sich durch einen geringeren Fettgehalt, jedoch durch einen hohen Anteil an ungesättigten Fettsäuren aus. Diese Eigenschaft ist maßgeblich für die Weichheit und den vorzüglichen Geschmack des Fleisches“, sagt Katrin Fischer, Ernährungsreferentin der LK OÖ.

Die Verarbeitung des Rotwild-Fleisches passiert am Singerskogel direkt vor Ort – mit viel Respekt, ohne Transportwege und ohne Hektik für die Tiere. Der örtliche Metzger unterstützt das Paar bei der Veredelung der Produkte. Zu kaufen gibt es das Wildfleisch im Ganzen oder als Spezialität verarbeitet in der eigenen Jausenstube von Andrea und Pepi.

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