Ins Gurkerlglas g’schaut

Ins Gurkerlglas g´schaut! Bei einem Mostheurigen wie dem Radlerbauernhof Moser in Oberösterreich kommt es schon mal vor, dass man zu tief ins Glas schaut. Im Erdkeller allerdings nicht ins Mostglas, sondern ins Gurkerlglas. Nebenbei erwähnt – so ein Erdkeller muss auch erwähnt werden, denn so richtige Vorratskammern unter der Erde findet man heutzutage kaum mehr. Es hat einen besonderen Geruch hier, ein bisserl feucht-modrig und die Beleuchtung ist auch in bisserl duster. Aber der Gurken-Haltbarkeit scheint das nichts auszumachen!

Opa August ist der Einweck-Spezialist am Hof und gleichzeitig das wandelnde Lexikon, wenn es um die Haltbarmachung von Essiggurken geht.

Die Vorgangsweise ist immer dieselbe.

In der Nähe vom Moserhof gibt es einen Marchland-Bauern, der Essiggurken für eine große Handelskette anbaut. Sind die Gurken aber zu groß gewachsen, heißt es normalerweise … ab auf den Kompost. Der Handel übernimmt sie nicht mehr, da sie nicht in ein herkömmliches Gurkenglas passen.

 

 

An diesem Punkt kommt Opa August ins Spiel. Er holt sich die sogenannten 3er Gurken und verarbeitet sie. Die Zahl Drei beschreibt in diesem Fall die Größe, die sogenannte Klassifizierung. Die Gurken werden der Länge nach zerteilt, mit  Zwiebeln, Pfefferoni, Chili, Essigkraut und viele andere Zutaten in die Gläser gefüllt und mit einem eigenen Einmachessig, verfeinert mit Zucker und Salz, aufgegossen. Die genauen Rezeptzutaten sind selbstverständlich ein gut gehütetes Hausgeheimnis. Abschließend werden die Gläser eingeweckt und warten im nostalgischen Rübenkeller auf den Verzehr.

Einwecken? Das bedeutet nichts anderes, als die Gläser zwischen 80 und 100 Grad im Ofen oder Dampfgarer vorsichtig zu erhitzen. Die Luft und der Wasserdampf dehnen sich im Glas aus und es entsteht ein Überdruck. Beim Abkühlen ziehen sich die Luft und der Wasserdampf wieder zusammen, es bildet sich ein Vakuum, welches den Deckel luftdicht verschließt. Voilá, so schnell geht die Haltbarmachung !

Die Essiggurken-Veredelung ist Opa August´s Leidenschaft. 300 Gläser macht er nahezu jedes Jahr. Die Gäste vom Radlerbauernhof Moser freut’s natürlich und sie sind vom Geschmack begeistert.

Radlerbauernhof Moser am Donauradweg

 

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