Kaspergut Innviertel Urlaub am Bauernhof

Die Geschichte und Erhaltung des Denkmalhofes „Kaspergut“

Das Kaspergut ist ein denkmalgeschützter Dreiseithof, der erstmal um 1780 namentlich erwähnt wurde.

 

Von außen würde der Hof mit seinen qualitätsvollen, zweigeschossigen Holzbalkonen und Zimmermannsarbeiten auch gut nach Salzburg oder Tirol passen.

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Wirft man einen Blick rund um den Hof, sieht man, dass die Anlage nach Süden offen ist und sich in der Mitte ein rechteckiger Innenhof befindet. Das Wohnhaus wirkt trotz alledem noch selbstständig. Ehrlich gesagt habe ich mit so einer Hofarchitektur in dieser Region nicht gerechnet. Die Vorderansicht des Hofes ist mehr als ausdrucksstark und weckt natürlich meine Neugierde, wie es in den Innenräumen aussehen könnte.

Elisabeth bittet mich in den ehemaligen Ross-Stall und schon beim Gang über den Flur merke ich, dass hier viele bäuerliche Schmuckstücke aus vergangener Zeit gekonnt platziert sind.

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„Das Vergangene zu bewahren und den Hof in seiner ursprünglichen Schönheit zu revitalisieren, das war und ist uns bei den Renovierungsarbeiten besonders wichtig“, erzählt mir Elisabeth.

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Auf die Frage, ob ihr Bruder Hans und sie den Hof geerbt haben, schmunzelt sie: „Nein, nein –  wir sind als Geschwisterpaar quasi Quereinsteiger in die Landwirtschaft, sogenannte „Zuagroaste“ (Zugezogene) aus Salzburg und haben das Kaspergut gemeinsam erworben.“

„Mehr oder weniger haben wir „die Katze im Sack“ gekauft,“ lachen die beiden. Die ehemaligen Bauersleut konnten den Hof wirtschaftlich nicht mehr erhalten und haben das Kaspergut über einen Immobilienmakler veräußert. Einige Jahre zuvor hatte Hans bereits fünf Hektar Wald von dem gleichen Besitzer gekauft – wodurch das Kaufinteresse für das Gebäude noch stärker wurde. Ein klitzekleiner Fehler hat sich allerdings eingeschlichen: Die Geschwister haben den Hof vor dem Erwerb nicht mehr von Innen geprüft.

Bei der ersten Begutachtung traute Hans seinen Augen nicht. Die Vorgänger hatten sämtliche Lebensutensilien gehortet, die Räume damit aufgefüllt und zugepflastert. Eine gewisse Ordnung in das Geschehen zu bringen und überlegt aufzuräumen dauerte einige Monate.

Dennoch schafften die Geschwister es, den gesamten Wohnbereich mit viel Eigeninitiative und kreativem Geist zu sanieren. Überall wurde selbst Hand angelegt, ob bei den hölzernen Kastenfenstern, beim Bodenpflaster, bei den Malerarbeiten oder bei der Restaurierung antiker Einrichtungsstücke.

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Eines ist klar, es braucht hier viel Fingerspitzengefühl, um ein gleichwertiges Inventar zu finden, das zum Hofstil passt – und das haben Hans und Elisabeth allemal. Mittlerweile ist es so, dass Freunde und Bekannte die Geschwister informieren, wenn ein alter Hof ausgeräumt wird oder, wenn jemand verstorben ist. Dann heißt es oftmals: „Wollt ihr nicht vorbeikommen? Vielleicht ist eine Kostbarkeit für euch dabei.“

Der Aufbewahrungsdrang der Vorgänger hatte im weitesten Sinn auch seine Vorteile: ein wahrer Fundus an Antiquitäten und gut erhaltenen Schriftstücken blieb erhalten. Und diese ehrenvollen Gegenstände tragen heute zu einem stimmigen Hofambiente bei.

Erhaltung und Bewirtschaftung des Denkmalhofes

„Ohne die Mithilfe der Eltern hätten die Aufbaujahre des Kaspergutes nie so funktionieren können“, erzählt uns Hans. Papa Stefan, der talentierte Maurer, und Mama Anna, die herzhafte Köchin, haben einen wesentlichen Beitrag zur Hofgestaltung beigetragen.

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Neue Bereiche wie eine Ferienwohnung, ein Verarbeitungsraum oder ein eigenes Dörrhäusl wurden geschaffen.

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Gastgeber Hans hält sich auch gerne in der eigenen Holzwerkstatt auf und produziert dort seine hochwertigen Kastenfenster, schleift robuste Holzböden aus Nadelholz oder fabriziert andere wichtige Dekostücke für den Hof. Für mich ist Hans fast schon eine Art Holz-Designer, der jedem Stück seine eigene Handschrift verleiht.

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Geschmeichelt von meiner Bewunderung für sein Talent wirft Hans für mich auch die Kreissäge an und demonstriert seine Fertigkeiten.

Elisabeth hat das perfekte Auge für Einrichtungsgegenstände und liebevolle Zierstücke. Sie schafft damit ein harmonisches Gesamtbild im Landhausstil. Auch der Bauerngarten erstrahlt in voller Pracht und offenbart viele Pflanzenschätze.

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Wie wird man zum Denkmalhof?

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Wenn ich so überlege, war ich noch nie auf einem Denkmalhof. „Wie wird man eigentlich zu einem Denkmalhof?“, frag ich mich.

Elisabeth hat sofort eine Antwort für mich parat und kann hier natürlich aus eigener Erfahrung sprechen. Zu einem Denkmalhof wird man, wenn das Gebäude vom Bundesdenkmalamt als erhaltenswert befunden wird. Das Kaspergut erhielt dieses Anrecht 1998 und steht seither unter Denkmalschutz. Diese Kennzeichnung ist ebenso im Grundbuch verankert. Gebunden an den Denkmalschutz kann das Gebäude aber auch nicht einfach abgerissen oder auch nicht in seiner Bauart verändert werden. Ö-Normen brauchen Elisabeth und Hans Gott sei Dank nicht einhalten, denn in einem denkmalgeschützten Gebäude können Stufen, Türen oder andere Baustrukturen in ihrer Eigenheit erhalten bleiben. Größere Personen müssen sich bei gewissen Türstöcken daher schon mal bücken, um die Stirn zu schonen. Aber ich mit meinen 1,65 Meter Größe pass durch jede Pforte.

Elisabeth und Hans war es immer ein Anliegen, den Denkmalhof für andere zugänglich zu machen. Ihre Lebenseinstellung, altes Kulturgut zu erhalten, die Vielfalt zu bewahren und eine naturnahe, möglichst unabhängige Bewirtschaftung des Hofes zu sichern, ist für sie eine Herzensangelegenheit. Diese Haltung geben sie auch gerne an Interessierte weiter. Einmal im Jahr öffnet das Kaspergut die Tore am „Tag des Denkmals“ und gewährt besondere Einblicke. Auch die Anerkennung „Bleibende Werte fürs Innviertel“ haben die beiden heuer beim „Tag der offen Tür“ verliehen bekommen.

 

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Während unserer über den Tag verteilten Gespräche kommen die naturnahe Kreislaufwirtschaft und die Versorgung mit eigenen Lebensmitteln oftmals zur Sprache. Wie gut es sei, sich mit selbstgemachten Produkten zu versorgen und welch‘ ein Privileg es ist, diese Möglichkeit zu haben.

 

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Auch andere profitieren davon! Alles, was die Familie nicht selbst verwertet kann, wird an umliegende Konsumenten weitergegeben.

Fünf Hektar Wald liefern nicht nur Brennholz, sondern werden auch für die Wohnraumgestaltung und Außenerhaltung des Hofes eingesetzt.

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Die Futterversorgung für die Tiere ist mit zwei Hektar Grünland gesichert. Zwei mal werden die Wiesen gemäht und daraus duftendes Heu gewonnen. Hier kann es schon mal vorkommen, dass die sonst so ausgeglichene, ruhige Art der ganzen Familie ins Wanken gerät – besonders, wenn am Himmel schwarze Wolken aufziehen. Hans grinst: „Unsere nostalgischen Maschinen und Fahrzeuge sind etwas langsamer gepolt und da muss man schon etwas mehr Zeit einplanen“. In solchen Situationen hilft dann der Nachbar schnell aus und presst das Heu zu Ballen.

Bio-Arche-Hof

Als geführter Bio-Arche-Hof liegt den beiden die Gen-Erhaltung und die Vielfalt alter Haustierrassen sehr am Herzen. Eine bunte Mischkulanz gibt es daher am Hof: Zwei Wollschweine, mehrere Pinzgauer Strahlenziegen, eine Pfauenziege und viele große und kleine Surmtaler Hendln beobachten uns bei unserem Hofrundgang.

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Hier spürt man förmlich die Zuneigung der Bauersleute für die Tiere – allesamt kommen sie im Stall auf uns zu, beschnuppern uns und springen am Gatter auf Augenhöhe zu uns empor.

Ein Selfie mit Ziege Klara muss natürlich sein – wer hier wohl besser getroffen ist?

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Auch von den miauenden Artgenossen auf vier Pfoten werden wir auffällig verfolgt und mit einem Schmusegruß am Bein begrüßt.

Ich glaub so fühlt sich ethische Tierhaltung an.


Team-Work – das Geschwisterpaar Elisabeth und Hans

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